Sorgerecht verheirateter Eltern

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Sorgerecht verheirateter Eltern 2017-06-12T20:22:30+00:00

Das Sorgerecht verheirateter Eltern

In einem Scheidungsverfahren wird nur dann über das Sorgerecht eine Entscheidung getroffen, wenn ein Ehegatte oder beide Ehegatten dies beantragen. Ohne einen derartigen Antrag, bleibt es auch nach der Ehescheidung beim gemeinsamen Sorgerecht der Eltern für ihre gemeinsamen minderjährigen Kinder.

Ab dem Zeitpunkt der Trennung leben die gemeinsamen Kinder in der Regel entweder im Haushalt der Mutter oder beim Vater. Der Elternteil, bei dem das Kind wohnt, hat hinsichtlich der Angelegenheiten des täglichen Lebens alleine entscheiden, auch wenn gemeinsames Sorgerecht besteht. Das Sorgerecht wirkt sich bei den besonders wichtigen Entscheidungen betreffend das gemeinsame Kind aus. Zu diesen Entscheidungen gehört beispielsweise, welche Schule das Kind besucht oder ob im Falle einer Erkrankung des Kindes eine Operation durchzuführen ist und durch welchen Arzt oder in welchem Krankenhaus die Operation bzw. Behandlung zu erfolgen hat. Bei gemeinsamem Sorgerecht müssen sich die Eltern hierüber verständigen und diese Entscheidungen durch beide Eltern gemeinsam getroffen werden.

Wenn ein Elternteil beantragt, das Sorgerecht für ein Kind allein  ausüber zu dürfen, muss das Gericht prüfen, ob die Übertragung des alleinigen Sorgerechts dem Wohl des Kindes entspricht. Bei Zustimmung des anderen Elternteils, muss das Gericht dem Antrag auf Übertragung des Sorgerechts auf einen Elternteil stattgeben, wenn das Kindeswohl dem nicht entgegen steht .

Wenn der andere Elternteil nicht zustimmt, muss das Gericht eine Entscheidung zum Sorgerecht treffen. Das Gericht wird in der Regel das Jugendamt einschalten und das Jugendamt wird mit beiden Elterteilen und, sofern das Kind alt genug ist, auch mit dem Kind sprechen. Es kann dann hier dann auch ein Verfahrensbeistand für das Kind bestellt werden oder das Kind selbst zu seinen Vorstellungen befragt werden, wenn das Kind alt genug ist. Anschließend wird das Jugendamt gegenüber dem Gericht eine Stellungnahme abgeben, ob es die Übertragung des Sorgerechts auf einen Elternteil befürwortet oder nicht.

Bei der Entscheidung werden vom Gericht regelmäßig folgende Faktoren einbezogen:

* Förderungsprinzip
Bei welchem Elternteil wird das Kind voraussichtlich die besseren Entwicklungsmöglichkeiten erhalten? Für Berufstätige, die wenig Zeit für das Kind haben, wird es gegenüber einem nicht berufstätigen Elternteil schwierig, das alleinige Sorgerecht zu erhalten, wenn der andere Elternteil offensichtlich mehr Zeit mit dem gemeinsamen Kind verbringen kann.

* Kontinuitätsprinzip
Ferner prüft das Gericht, ob bei Übertragung des Sorgerechts auf einen Elternteil eine Fortsetzung der Erziehungsverhältnisse besteht. Hier kommt also auch der vorherigen Ausgestaltung der ehelichen Lebensverhältnisse eine große Bedeutung zu. Ein Wohnortwechsel, verbunden mit einem Wechsel des Kindergartens oder der Schule und einem Wechsel des gesamten sozialen Umfelds wird regelmäßig negativ bewertet.

* Kindeswille
Ferner wird der Wille des Kindes berücksichtigt, sofern dieser erkennbar ist oder geäußert wird.

* Elternbindung
Zu welchem Elternteil hat das Kind die größere emotionale Bindung ?

* Geschwisterbindung
Wenn es Geschwister gibt, wird das Gericht darum bemüht sein diese möglichst nicht zu trennen.